Erkrankungen der Haut

Im Gegensatz zu den meisten anderen Organen des Körpers ist die Haut in ständigem Kontakt mit der belebten und unbelebten Umwelt. Mikroorganismen, die die Fähigkeit haben, Krankheiten auszulösen, müssen ständig abgewehrt werden. Dazu gehören u.a. Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten. Dabei ist die Haut auch in gesundem Zustand nicht keimfrei: sie beherbergt die so genannte gesunde Hautflora.

In Situationen, in denen die Abwehrfunktion der Haut beeinträchtigt ist, kann es zu einer Infektion kommen. Ein Beispiel sind bakterielle Hauterkrankungen. Bei einer Infektion der Haut mit einem echten Hautpilz spricht man von einer Hautpilzerkrankung oder Dermatophytose. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Pilze, die unter bestimmten Bedingungen Infektionen der Haut auslösen können. Eine andere häufig vorkommende Ursache von Hautkrankheiten sind Infektionen mit Hautparasiten, während virale Infektionen etwas seltener vorkommen.

Aber auch leblose Substanzen sind in der Lage, Hautkrankheiten auszulösen. Neben dem Sonnenlicht, das außer zum normalen Sonnenbrand auch zur Photodermatitis führen kann, müssen in diesem Zusammenhang auch irritierende Substanzen (Kontaktdermatitis), hohe und niedrige Temperaturen (Verbrennungen bzw. Erfrierungen), Gifte und Fremdkörper erwähnt werden. Besonders bei schwereren Tieren, die oft auf hartem Boden liegen, kann es zu einer Überbeanspruchung der Haut über Druckpunkten (Ellbogen o.ä.) kommen, was zu Schwellungen und schmerzhaften Infektionen führen kann. Bei manchen Tieren bildet die Haut tiefe oder enge Falten aus, in denen sich neben Reibung ein feucht-warmes Klima entwickelt, in dem sich Krankheitserreger besonders wohl fühlen. Dies kann zur Hautfaltendermatitis oder Intertrigo führen. Bei der so genannten pyotraumatischen Dermatitis, gemeinhin „Hot Spot“ genannt, handelt es sich um eine akute, auf ein scharf begrenztes Gebiet beschränkte, schmerzhafte Hautentzündung, die durch lokale Ursachen ausgelöst wird.

In den letzten Jahrzehnten wurde zunehmend erkannt, daß die Haut mehr ist als eine passive Schutzhülle. Sie ist ein unentbehrlicher Teil des Immunsystems, das vor der enormen Aufgabe steht, einerseits die immense Vielfalt der eventuell krankmachenden Stoffe zu erkennen und zu eliminieren, gleichzeitig aber körpereigene Strukturen zu tolerieren. Wird ein möglicherweise krankmachender Eindringling erkannt, setzt das Immunsystem eine hochwirksame Abwehrreaktion in Gang, um ihn so schnell wie möglich auszuschalten. Wie stark so eine Reaktion sein kann, weiß jeder, der schon einmal mit Fieber im Bett gelegen hat. Dabei arbeitet das Immunsystem mit erstaunlicher Präzision: es erkennt zuverlässig alle möglichen Krankheitserreger und bekämpft sie fast immer erfolgreich, während es körpereigene Strukturen und all die Stoffe, die wir mit der Nahrung aufnehmen und mit denen wir in Kontakt kommen, die uns aber nicht krank machen, „in Ruhe läßt“. Es findet ein ständiger Wettlauf statt zwischen den Krankheitserregern auf der einen und dem Immunsystem auf der anderen Seite: die Krankheitserreger versuchen, das Immunsystem zu umgehen oder zu „überlisten“, und das Immunsystem wird immer wirksamer und vielschichtiger, um das Leben trotzdem zu ermöglichen. Diese Entwicklung hat aber auch eine Kehrseite: je ausgefeilter und wirksamer das Immunsystem ist, desto größer ist auch die Gefahr, daß Fehler passieren, und desto schwerwiegender sind mögliche Folgen solcher Fehler für den Organismus. Im Falle von Allergien, Autoimmunerkrankungen und immunvermittelten Erkrankungen kommt es zu negativen Folgen der Abwehrreaktion für den Körper.

Als aktives Stoffwechselorgan ist die Haut darüber hinaus ein Spiegel der inneren Reaktionslage: Störungen des Stoffwechsels und hormonale Erkrankungen zeigen sich unter anderem auch an Haut und Haar. Deren Funktion wird beeinträchtigt, was wiederum zu sekundären Infektionen führen kann (siehe weiter oben). Wichtige Gruppen von Hauterkrankungen sind außerdem erworbene und angeborene Erkrankungen der Haarsäckchen, der Pigmentbildung und Störungen des normalen Verhornungsprozesses. Um gesund und leistungsfähig zu bleiben, ist die Haut auf eine vollwertige Ernährung angewiesen. Ist diese nicht gewährleistet, kann es zu ernährungsbedingten Hauterkrankungen kommen. Leider kann auch die Haut, wie alle anderen Organe, eine Vielzahl sehr verschiedener Tumoren entwickeln. Zuletzt sollen hier noch die Hautkrankheiten erwähnt werden, die durch zwanghaftes Verhalten ausgelöst werden (die so genannten psychogenen Hauterkrankungen), und die Erkrankungen des äußeren Ohres.

Selbstverständlich ist dieser kurze Abriß bei weitem nicht vollständig, und viele Hauterkrankungen lassen sich auch nicht so ohne weiteres in eine der genannten Kategorien einordnen. In vielen Fällen findet sich auch eine Kombination verschiedener Krankheiten, wobei meist eine primäre Grunderkrankung andere nach sich zieht. Systematisches Vorgehen bei Diagnostik und Behandlung ist dann von besonderer Bedeutung für den Behandlungserfolg.